Umgehungsstrasse, ja oder nein...?
Der ganz normale Wahnsinn hat in den Augusttagen des Jahres 2005 in dem kleinen Städtchen Waldenburg in Sachsen Einzug gehalten. In der "Perle des Muldentals" erhitzen sich die Gemüter der Einwohner über den Bau einer "kleinen" Umgehungsstrasse, die oben abgebildete Strasse entlasten soll.

Zu erst einmal die Fakten dazu:
1. Fest steht, dass die Gebäude an dieser Strasse allesamt einige hundert Jahre auf dem Buckel haben und die Grundmauern wohl eher für vorbeifahrende Pferdefuhrwerke angelegt waren als für Sattelzüge und LKWs heutiger Dimension.
2. Da das so ist, und klirrende Gläser in den Vitrinen der Wohnstuben verdeutlichen das, ist es für Bausachverständige und simple Baufacharbeiter keine Frage: die Gebäude an dieser Strasse haben bereits und werden auch noch weiterhin Schaden in der Bausubstanz bei dem vorhandenen LKW-Verkehr erleiden. Russischer Panzerverkehr hatte über Jahrzehnte vorher schon ein Übriges dazu beigesteuert.
3. Auch die an dieser Strasse (noch) vorhandenen Geschäfte leiden darunter, dass die Kunden beim Besuch der Geschäfte immer einer gewissen Gefahr durch den LKW-Verkehr ausgesetzt sind. Gottlob ist bisher noch nichts passiert. Vielleicht auch deswegen nicht, weil bestimmt so mancher mögliche Kunde die Gefahr einfach meidet.

4. Schon zu Zeiten des "tausendjährigen Reiches" im vorigen Jahrhundert hatte man die Problematik erkannt und es wurde von einer Ortsumgehung für Waldenburg gesprochen. Damals wie auch in der nachfolgenden DDR-Zeit, wo auch wieder das Thema Umgehungsstrasse im Gespräch war, scheiterte das immer an den nicht vorhandenen Finanzen.
5. Fast natürlich war es, dass nach der Wende das Wort Umgehungsstrasse erneut in aller Munde war. Bei einer Wahlversammlung 1994 im Waldenburger Schloss, bei der auch der damalige Verkehrsminister Wissmann (CDU) zugegen war, konnte man aus dessen Mund hören, dass die "grosse Umgehungsstrasse im Bundesverkehrswegeplan an vorderster Stelle stehen würde und das Thema etwa zur Jahrtausendwende wohl erledigt sei. Jetzt sind schon mehr als 5 Jahre im neuen Jahrtausend vorbei und geschehen ist, ausser ein paar Worthülsen nichts. Das scheinbar "grenzenlos" vorhandene Geld, nach Deutung der Aussage des damaligen, oben angesprochenen Ministers, ist offenbar nicht mehr vorhanden. Vielleicht ist ja auch ein Teil davon in dessen Ministerabfindung und dessen Pensionskasse geflossen?
6. Wegen des akuten Geldmangels des Staates, der durch die SPD-Regierung sich keineswegs gebessert hat, und wegen der sichtbaren Dringlichkeit geplanter Strasse, geistert seit einigen Jahren eine "abgespeckte" Variante der "Ortsumgehung" in den Köpfen der einschlägigen Entscheidungsträger dieser unendlichen Geschichte. Man will, wie einst geplant, nicht mehr die gesamte Oberstadt vom gestiegenen Verkehr entlasten, sondern nur noch die oben abgebildete Altenburger Strasse. Es soll jetzt etwa ab dem Meeraner Wasserwerk am Ortsausgang Remse, OT Kertzsch, in Richtung Siedlung Altweinhölzel gehen. Die Siedlung wird mit etwa 50 Meter Abstand tangiert und weiter soll dann die Trassenführung zwischen Sommerbad und Neubaugebiet Roter Graben zur B 180 gehen. Damit würde sicher die Altenburger Strasse entlastet. Der Nachteil liegt aber bei der Siedlung Altweinhölzel, bei den Wohnblöcken des Roten Grabens und beim Sommerbad. Dort leidet sicher, wie sehr weiss im Moment keiner genau (da Lärmschutzvorrichtungen im Projekt enthalten sind), die bisherige Wohnqualität.
7. Die im Punkt 6. angeführte Verschlechterung der Wohnqualität (keine mit Kosten verbundenen Gebäudeschäden wie in der Altenburger Strasse) führte dazu, dass auf Initiative der Einwohner des Altweinhölzels eine Unterschriftensammlung gegen den geplanten Verlauf der Umgehungsstrasse gestartet wurde, die auch über 600 Unterschriften einbrachte. Aktionen der betroffenen Einwohner der Altenburger Strasse, die um die Verkehrsentlastung fürchten, sind jetzt ebenfalls in der Startphase und sollten eigentlich schnellstmöglich realisiert werden.
8. Die für das Projekt Verantwortlichen haben inzwischen kundgetan, dass es nur Geld für die jetzt vorliegende Variante gibt, oder Waldenburg auf nicht absehbare Zeit das Thema Umgehungsstrasse streichen kann. Juristisch nennt man so etwas wohl Erpressung. Ausserdem werden mit dieser Aussage auf verwerfliche Art und Weise Einwohner eines Ortes aufeinander gehetzt.

So weit die nicht widerlegbaren Fakten zum Thema Umgehungsstrasse. Tatsache ist, dieser Staat hat offensichtlich im Moment genau so wenig Geld für das Projekt zur Verfügung wie die Vorgänger-Regime. Tatsache ist auch, die Bevölkerung ist dem "nur-ich-denken" so sehr verfallen, dass es nicht einmal mehr Verständnis für die Probleme des Anderen zeigt. Fakt ist, der Lärm des Rasenmähers vom Nachbar in nur vielleicht 5 Meter Entfernung stört plötzlich nicht mehr so sehr wie der durch Lärmschutzwall und Sonntagfahrverbot gesicherte LKW-Strassenverkehr in 50 Meter Entfernung, usw. usw. Wie die Sache auch ausgehen wird und wenn sich vielleicht auch eine Partei freut und die andere Partei ärgert, in dieser Geschichte wird es eigentlich nur Verlierer geben. Das sollten sich die vermeintlichen Gewinner ruhig "hinter die Löffel" schreiben.
Falls meine Schilderung vielleicht nicht deutlich genug war: ich bin für den Bau der Umgehungsstrasse.